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Montag, Juni 26, 2006

No Students, No Dogs, No Döner



Wie ich ja weiss, mache ich mir nix aus Musik, von da her war die Clubfrage nie ganz einfach für mich. Ich wusste immer nur, was ich nicht wollte; das war aber in etwa genau das, was alle Clubs zu bieten haben. Ich war also glücklich wie ein König, als ich vor einigen Jahren aus ungeklärten Umständen plötzlich im Bassy Cowboy Club stand.

Damals noch in einem Hinterhof neben dem Pfefferbergg beheimatet gab es vor allem eines nicht: Scheiss Musik. Und scheiss Tüpen gabs auch nicht; ich war dabei, als einigen Stuckrad-Barre-Klonen mit Burgerking-Crowns nahegelegt wurde, sich doch besser eine andere Location zum coolsein zu suchen.

Ansonsten sah man viele Menschen zwischen 18 und 50, Mädchen, die mit ihren Damenhandtäschchen über der Schulter tanzten, alte Säcke, die an der Bar saßen und tranken und vor allem Leute, die alle Versuche, cool sein zu wollen, hinter sich hatten und es entweder geschafft haben oder kläglich gescheitert sind.

Gespielt wurde viel Northern Soul, Stax, Motown, etwas Country, der Nuggets-Sampler; manchmal auch französische Chansons oder Hilde Knef. Hinten an der Wand konnte man beim tanzen Russ-Meyer-Filme sehen, oder auch sonstigen s/w-trash, den der Projektor nicht sofort vertilgt hatte.

Wenn es zu warm wurde, ging man in den Innenhof, an dessen einer Wand ein gigantischen Portrait Saddam Husseins prangte, das wohl noch von den Vormietern stammte. Wurde es zu kalt, hat jemand Feuer in einem alten Ölfass gemacht.

Offiziell war das ganze nicht, man musste sich am Eingang immer einen temporären Mitgliedsausweis holen, auf dem auch die drei Versprechen aus der Überschrift prangten. Gerüchte, dass das Bassy wegen fehlender Lizenzen dichtmachen müsse, machten mehr als einmal die Runde.

2004 war dann Feierabend. Die Betreiber hatten aber eine andere Location am Monbijou-Park in den S-Bahn-Bögen gefunden und so wurde in dem Glauben umgezogen, man könne immer alles irgendwie woanderhin verpflanzen. Eine Freundin erzählte mir, dass die Miete für neuen Räumlichkeiten irrsinnig teuer gewesen seien sollen, anders kann ich es mir nicht erklären, dass das Eine, was ich wollte, recht schnell abgeschafft wurde: Gute Musik. Anfangs bin ich noch öfters dagewesen, doch in manchen Nächten war ich mir nicht mehr sicher, ob der nächste Song evtl. nicht doch "It's raining men" oder "I will survive" sein könnte, und das machte mir keine Freude. Der Club selber hatte auch einiges von seinem Charme eingebüsst, aber das kann auch nur an meiner melancholisch-konservativen Einstellung gelegen haben. Der Kicker war immerhin noch da.

Trotz einiger Beschwerden weinerlicher Clubgänger passierte diesbezüglich nichts, im Gegenteil, auf der website und in den newslettern konnte man Aufrufe lesen, doch bitte vermehrt vorbeizuschauen, sonst gäbe es Konsequenzen. Im Gästebuch habe ich augenbrauenhebend den Vorwurf zur Kenntnis genommen, man hätte die Betreiber hängen lassen. Und jetzt scheints endgültig aus zu sein: am 30.06. ist der letzte Abend, ein Konzert mit The Queers gibt es noch am 01.07, das war's.

Und ich kann noch nichtmal richtig traurig sein.

2 Comments:

At 11:42 nachm., Blogger Cpt. Muerte said...

Hmmm. Ich denke da an den schönen Abend mit Dir im Sommer und wat wir jetanzt haben.... neee, Du!

 
At 4:22 nachm., Blogger CoolBee said...

Natürlich ist sowas immer schade, aber ihr Berliner könnt euch doch freuen, dass ihr sowas überhaupt erleben dürft. Bei euch wächst doch sowas nach wie Unkraut. Die paar ganz netten Clubs hier in Hannover haben zwar eine höhere halbwertzeit, aber dafür sind kaum richtige Reißer dabei...

 

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