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Mittwoch, Oktober 05, 2005

Stromberg. Das Arschloch, exposed.

Ich kann diese ganze Comedy-Scheisse nicht mehr ertragen. Neulich habe ich bei meinem Vater eine geballte Ladung "Niedrig und Kuhnt" und "K11" ertragen müssen und mich gefragt, ob das jetzt eigentlich auch Comedy ist und ich lachen sollte, weil, da werden ja alte Spässeken-Methoden auf einer anderen, schauspielerischen Ebene verbraten, wie, völlig Inkompetent sein, aber trotzdem so tun, als wüsste man, was man tut (Bouvard & Pecuchet!), oder, aber, vielleicht ist es auch nur das, heutzutage reicht ja Geistesminimalismus komplett aus, um alles Mögliche zu rechtfertigen, nicht wahr, Stefan Raab, das kommt davon, wenn sich Metzgergesellen zu Höherem berufen fühlen.

ABER! Neulich entdeckt, ich konnte mein Glück kaum fassen: Stromberg, Sonntag abends irgendwo, aber regelmässig. Stromberg ist Abteilungsleiter einer Versicherung, gezeigt werden tagesnormale Büroszenen, meist eingeleutet durch den Blick auf eine langsam sich füllende Kaffeekanne, was allein schon alle Tristesse in sich zu komprimieren scheint. Alles ist pseudodokumentarisch, die Kamera immer unsichtbar, manchmal auch weit weg hinter einer Brüropflanze. Hin und wieder gibt es kleine Interviews mit den durch die Bank exzellenten Darstellern, so ein bisschen Big-Brother mässig, aber natürlich viel authentischer als letzteres.

Stromberg ist ein Arschloch, aber das schöne daran: Er macht sich, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Arschlöchern, komplett angreifbar, weil in der Figur alle Lücken und fehlenden Übergänge zu sehen sind, die normalerweise zu verbergen des Arschlochs anstrengenste Aufgabe ist. Es ist nicht nur seine Inkompetenz im Beruflichen, er versteht seine Rolle komplett falsch, projeziert seine eigene Dämlichkeit auf andere, läuft ständig auf und ist dann damit beschäftigt, duch Arroganz und falsche Ironie sein Gesicht zu wahren, was natürlich nicht klappt. Nie klappt. Trotzdem wird sich von seinen Untergebenen wie zu einem klassischen Arschloch verhalten, das gewohnte Reiz-Reaktions-Schema wird gnadenlos durchexerziert und bietet daher 1A Archloch-Erkenntnisgewinn.

Christoph Maria Herbst, der Darsteller von Stromberg, ist sich dieses Zerwürfnisses bewusst und spielt die Figur mit der traumwandlerischem Sicherheit, die manchen früher nach der charakterischen Ähnlichkeit von Dargestelltem und Darsteller fragen liesse. Selbst in Szenen, in denen die Grenze eigentlich überschritten wird, hält er die Geschichte zusammen und nimmt sich den Raum, die Figur noch zu verfeinern.

Auch, wenn Stromberg nur die Adaption einer mal wieder englischen Serie ist, kann man hier wirklich Eigenständigkeit und flächendeckende Grossartigkeit attestieren. Chapeau!

2 Comments:

At 1:46 nachm., Blogger Donner said...

stromberg ist auf alle fälle das größte im deutschen comedy sektor seit "mein neuer freund" mit christian ulmen und "dittsche" mit olli dittrich. man stelle sich nur vor, man hätte den mann als vorgesetzten. soll man da lachen bis zum zwerchfell-anriss oder weinen und gaaaanz schnell die branche wechseln. auf jeden fall lässt diese sendung auf bessere zeiten hoffen. oder auch nicht!
ciao
Yannick

 
At 2:19 nachm., Anonymous Anonym said...

"Ich sach ja immer, auch, wenn sich 'n Zwerg 'n paar Schuhe mit dicker Sohle kauft - er bleibt immer noch'n Zwerg, nicht."

 

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