Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien:

Donnerstag, August 03, 2006

Hinter der Bar

Gestern, nach der Arbeit (so gegen halb 10) noch in der Tiki Bar gewesen. Obwohl mein Engagement als DJ ja leider sein Ende wegen nahender Umstrukturierungen gefunden hat, stehen da noch ca. 50 LPs und gut 200 CDs, die gerne in die warme Wohnung möchten. Es waren noch zwei Leute an der Bar, als ich kam, und mein Lieblingsbarkeeper war natürlich auch da.

In den meisten Bars und Cafés arbeiten ja immer nur Leute, die einem mit jedem Blick und jeder Bewegung sagen, dass das hier ja nur ein Nebenjob ist, und sie ja eigentlich (insert Tätigkeit mit hohem coolnessfaktor) machen. Und obwohl N. schreibt, glaube ich nicht, das er eine Tätigkeit der anderen vorziehen würde; in gewisser Weise werden sie sich auch gegenseitig bedingen. Ich bin mir auch sicher, dass er eine eigene Philosophie des barkeeping verfolgt. Leute bedienen und Drinks mixen sind da nur eher Nebentätigkeiten, denn er kann die Atmosphäre an einem Abend sehr genau justieren, ohne gross in den Vordergrund zu treten. Wenn er da ist, ist die Bar eine andere.

Eine seiner Gaben ist die Fähigkeit, einen smalltalk am Leben zu halten, aber jederzeit eine professionelle Distanz zu wahren, die es selbst dem grössten Schwachkopf erlaubt, aus einer peinlichen Nummer irgendwie wieder rauszukommen, ohne das Gesicht zu verlieren. Ich unterstelle ihm mit seinen knapp 30 Jahren auch eine recht profunde Menschenkenntnis, denn er scheint gut einschätzen zu können, wie die Leute sind und was sie brauchen. Mein DJ-Pult stand immer gegenüber der Bar, und er hatte auch meistens Dienst, wenn ich aufgelegt habe. So konnte ich ihn mitunter beobachten, und es hatte schon etwas von einem Dirigenten, der auf das grosse Ganze achtet, aber weiss, dass es nicht um ihn selber geht. Eben jemand, der seinen Job ernst nimmt.

N. erzähte nun gestern, das er für drei Monate nach Italien geht, da er ein Stipendium bekommen habe, um sein Buch fertig zu schreiben. Danach ginge es wieder nach New York, seiner Heimatstadt, um das Buch zu verkaufen. Und dann würde er nach Paris ziehen. Ich glaube, das betrübt mich fast noch mehr als das Ende meiner Country Night. Leuten zuzuschauen, die ihren Job lieben, ist schon eine feine Sache. Profitiert man selber noch davon, ist es unschlagbar. Und einen so guten Planter's Punch werde ich wohl lange nicht mehr trinken.

4 Comments:

At 4:23 nachm., Blogger CoolBee said...

Ist das die Tiki Bar beim Wild at Heart (heißt doch so, dieser Schuppen in Kreuzberg)?

 
At 4:31 nachm., Blogger The Haarbüschel said...

Nope, Du meinst das Tiki Heart, das ist ja eher so ein Touri-Kitsch-Plastikladen. Ca. 10 min. zu Fuss Richtung Neukölln gibt es den Tabou Tiki Room, eine der besten Bars in Berlin. Voll von echtem Tiki-Zeug und mit einer unfassbaren Detailverliebtheit eingerichtet. Ist leider nicht soviel los zur Zeit; ab September soll das eher eine Playboy/Burlesque-Bar werden. Die hatten vor 2 Jahren als erste mit Burlesque angefangen, und das scheint wohl noch zu ziehen...

www.taboutikiroom.com

 
At 4:47 nachm., Blogger CoolBee said...

Nix geht über Insidertipps. Leider werde ih das wohl nicht miterleben - aber im Tiki Heart habe ich mal ein Interview mit einem (damaligen) Wahlberliner gemacht, dem ich eigentlich Stil zugetraut hätte...aber vielleicht fand der den Schuppen nur gut, weil die öfter im Wild at Heat aufgetreten sind (Flaming Stars). Bei uns sieht das ja eh mau aus, da freut man sich schon über sowas...

 
At 10:17 nachm., Blogger Boogie said...

Welcher Barkeeper bekommt schon ein so schönes kleines geschriebenes Denkmal? Ich glaub, da hät ich auch gern getrunken (und trinken tu ich ja ansonsten gar nicht bis ungern). Schön geschrieben, Hut ab. Gute Reise, N.

 

Kommentar veröffentlichen

<< Home