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Montag, März 13, 2006

Warum ich Texas Lightning nicht so toll finde.

Eine Comedy-Truppe hat es geschafft, einen vernüftigen Country-Song zu spielen. Muss aber natürlich wieder in die Karnevals-Kiste greifen und sich auch Countrymässig anziehen, um eine Ironie-Ebene reinzubrigen, denn man weiss ja, Country ist was für reaktionäre Irakkriegbefürworter, aber ist ja irgendwie trotzdem tolle Musik BLAAAAAABLAAAAAABLAAAAA, und damit JA KEINER glaubt, man würde den aus Klischees zusammenfantasierten Unterbau ebenfalls unters Volk bringen oder gar "Applaus von der falschen Seite" haben wollen, muss man Distanz zum eigenen Schaffen demonstrieren.

Markus Rill z.B. hat das nicht nötig. Was kann das bedeuten? Ist er ein reaktionärer Irakkriegbefürworterarsch (wohl kaum), oder könnte seine Musik am Ende "authentischer" wahrgenommen werden (im Sinne von: Aus eigenem Antrieb kommend?)

Aber man hat es ja auch mit verschiedenem Publikum zu tun: Markus kennen zumeist nur "vorgebildete" Leute, die schon eine Beziehung zu dieser Musik haben, TL erreicht auch Leute, die Scooter für die evolutionäre Krone des Musizierens halten.

Man stelle sich also vor, TL träte in normalen schwarzen Anzügen auf. Den meisten deutschen (früher gabs mal den schönen Begriff "Gesamtrocktrottel") Duchschnittshörern würde wohl eine Differenz auffallen, denn "Country" kennt er halt nur in Verbindung mit Karnevalskostüm, und aufgrund dieser Differenz wäre das Paket nicht mehr rund, man müsste da irgendeine Position zu beziehen, was zu antrengend ist, weshalb man die nicht "einfach so" super finden kann, trotz Promi am Schlagzeug. Folglich wären die LANGE nicht so erfolgreich, da verwette ich meine Pedal-Steel drauf.

Klar würde man sagen, ach, der Dittsche, das ist halt so'n schräger Tüp, aber man müsste sich als "Fan" eben ständig erklären, und sowas trübt das unreflektierte Schwimmen im neuen "Trend" enorm. (Tokio Hotel ist eine andere Geschichte: Da gibt es 2 kritische Massen und man kann sich als Fan im Distinktionsgewinn suhlen (wenn man gerade mal nicht kreischen muss), wie auch als Nicht-Fan.

Wenn TL aber keine Country-Klamotten anhätten, könnten sie eben deswegen auch nicht beim Grand Prix mitmachen. Oder hat da irgendjemand in der letzten Zeit Musiker gesehen, deren Möhrchen an der Angel beim Songschreiben wenigstens die eigene Befindlichkeit und nicht der angenommene kleinste, gemeinsame Nenner des Publikums war? Ich zumindest kenne niemand, der sich selber ernst nimmt und sich da ohne Waffengewalt bewerben würde.

Die gleiche Marketingstrategie wie bei Boss Hoss (und auch die gleiche Marketingstrategie wie bei Dick Brave). Ich werde mich wohl langsam daran gewöhnen müssen, das auch 2050 noch in Zeitungen stehen wird: "Country Musik, oftmals als reaktionäre Truckerfolklore belächelt, gewinnt auch hierzulande immer mehr Fans." AAAAHHHHRRGGG!

11 Comments:

At 1:27 vorm., Blogger Boogie said...

Ironische Distanz kann aber auch funktionieren. So generell verdammungswürdig find ich das nicht. Siehe z.B. Jason & the Scorchers oder die Supersuckers. Oder CBATFOW. Muss nicht, kann aber. Aber ich find auch die Hayseed Dixies luschtig. Mit TL oder BH kann ich mich allerdings ebensowenig anfreunden.

 
At 9:21 vorm., Blogger The Haarbüschel said...

Naja, Jason und die Scorchers kenne ich nur dem Namen nach, aber die Supersuckers kommen aus dem Punk und haben nicht mit einem deutschen Publikum zu kämpfen. Und die waren ja auch nicht die Ersten aus der Ecke, die ein ernsthaftes Interesse an Country hatten.

1000x besser als Hayseed Dixie finde ich da aber Iron Horse, die einfach mal ein Bluegrass-Album mit Songs von Metallica aufgenommen haben, komplett ohne Ironie und komplett grossartig.

Aber wo ist denn bei CBATFOW die Ironie? Ich hab euch immer ernst genommen, verdammt! ;)

 
At 11:58 vorm., Blogger The Captain said...

Ja. Was ein Thema. In dem Moment wo ich mich der Symbolik und der Sprache der Country Musik übernehme, oder mich dem anlehne komme ich nicht umhin Distanz zu haben. Denn meine Welt ist das eigentlich nicht. Je weniger Ironie dabei ist, desto besser. Überzeichnet aber wird es immer sein.

Um es mit anderen Worten zu sagen, es wird nicht gelingen, einen Country Song über Niederkassel zu machen. Dennoch läßt sich das Thema übertragen: nur geht es dann eben um Dickinson, North Dakota und schon ist es was anderes.

Und die musikalische Ironie? ich glaube, das ist so eine art Schutz vor der Volksmusik. Und das nimmt ja immer mehr ab, zum Glück. Wenn die Sachen schön klingen ist es o.k. aber nur ohne Hut.

 
At 11:59 vorm., Blogger The Captain said...

Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

 
At 12:04 nachm., Blogger Boogie said...

Ironie war vor meiner Zeit bei CBATFOW.
Iron Horse, die wollte ich mir doch auf den Einkaufszettel notiert haben? Habisch jetzt nachgeholt. Was die Haysseds angeht, ich find die garnicht sooooo ironisch. Musikalisch geht der Ironieanteil, zumindest auf dem AC/DC Album, gen Null. Metallica ist natürlich noch unlustiger und damit landet Iron Horse jetzt mal ganz oben auf dem Einkaufszettel.

 
At 8:30 nachm., Anonymous Nickman said...

Also die Hayseeds schaffen z.B. mit ihrem AC/DC Coverkram eine handwerklich 1a hingelegte Interpretation mit ihren Mitteln(Roots. Nix Ironie, me think. Und Country ist mir als Begriff zu eingegrenzt in deiner These. Es gibt mittlerweile einige Bands, die sehr erfolgreich sind in unseren Landen und das in sehr zivilem Outfit (Cracker z.B.).

 
At 8:51 nachm., Blogger The Haarbüschel said...

Hayseed sind aber eben auch Amis. Genauso wie Cracker - seit wann machen die eigentlich Country?

In den USA ist das ja seit Uncle Tupelo auch kein Problem mehr, nur in D. funktioniert das offenbar nicht. oder wird erst überhaupt nicht versucht.

 
At 8:41 vorm., Blogger The Captain said...

Wird überhaupt nicht versucht? Stimmt doch gar nicht. An jeder Ecke gibt es Musiker, die das machen. Es ist aber schlicht nicht Mehrheitsfähig.

Nicht das ich Uncle Tulpelo nicht mag, im Gegenteil, aber war das vor denen ein Problem in der Welt leitenden Nation?

 
At 10:26 vorm., Blogger The Haarbüschel said...

Hast natürlich recht, Captain, ich meinte natürlich machen auf einem bestimmten Level. TL hätte da mal die Möglichkeit gehabt.

Und die Amis hatten damit tatsächlich nie ein Problem, mein (unausgesprochener) Gedanke war hier: Ab ca. Uncle Tupelo wurde auch Country auch dort wieder für viele Leute interessant, die diese Musik für Truckerschrott hielten. Ich kann nicht beurteilen, wie "mutig" das war, aber man spricht, glaube ich, nicht zu unrecht von der No Depression-Bewegung.

 
At 2:37 nachm., Blogger The Captain said...

Ach Mist, wir sind uns schon wieder einig. Klar haben die Onkel aus Tupelo einen Anstoß in eine bestimmte Richtung gegeben. Aber vielleicht gehtdas auch nur, weil die da drüben alle mit der Country Musik aufgewachsen sind, wenn auch auf unterschiedlichste Weise. Ach was weiß ich denn.

NP: If I Had a Boat /Lyle Lovett

 
At 4:39 nachm., Blogger Boogie said...

... und nicht zu vergessen, das Country/Sänger/Liedschreibing seit Gram Parsons eh Einzug in die Herzen der US of A Rockhippies hielt. Und verschwand von da an nicht mehr wirklich. Ich sag mal Southern Rock oder Neil Young und/oder Eagles.

 

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