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Mittwoch, Februar 15, 2006

Neues Aggressionspotential endeckt.

Frisöre. So richtig bin ich nie mit Ihnen oder ihren Kolleginnen warm geworden (auch wenn ich es als Junge immer trés erotisch fand, wenn sie mir während der Behandlung manchmal diverse Extremitäten gegen den Körper drückten). Ich habe sogar 2 von mir sehr geschätzte Bekannte, die diesem Beruf mit Hingabe nachgehen. Aber trotz allem: Dieser Berufsstand und mein Haupthaar - wir werden wohl keine Freunde mehr.

Ein paar Meter von unserem Büro gibt es einen kleinen, etwas altmodischen Frisörsalon, der neuerdings Konkurrenz von einem superhippen 10 EUR-Laden bekommen hat. In dessen aquariumartigen Interieur verrichten 2 Damen ihren Dienst, deren Frisur nicht unbedingt die beste Werbung für ihr Geschäft ist, wenn man nicht aussehen will wie Nena nach einen Sprengstoffanschlag. Meiner erzkonservativen Grundeinstellung zu Hipness und sonstigem Scheiss folgend bin ich also gestern, nachdem mir mein Spiegel endgültig die rote Karte gezeigt hat, in den alten, kleinen, bedrohten und von mir persönlich Rettung erhoffenden, anderen Laden gegangen. Das hätte ich mir besser nochmal überlegt.

Zunächst wurden mir ungefragt die Haare gewaschen, was ich schonmal überhaupt nicht vertrage. Ich wasche meine Haare jeden verdammten Tag und keine Schere der Welt wird willger ihren Dienst verrichten, wenn das ein weiteres Mal passiert. Ich wagte allerdings nur milden Widerspruch, da dies offensichtlich von der Auszubildenden gemacht werden sollte, die aussah, als ob sie jeden Moment in Tränen ausbrechen würde. Natürlich lief Wasser in meine Ohren, natürlich war noch Schaum am Kragen, natürlich tropfte ich auf alles, was in meinem Weg zum Frisörstuhl stand, denn anstatt eines ordentlichen Trockenrubbelns wurde mir nur ein Frotteehanddtuchturban gebunden. Jetzt mal was Grundsätzliches, liebe Hairstylisten: Frotteehandtuchturbane gehören zu den Dingen, die ausschliesslich von Frauen getragen werden dürfen. Nein, es gibt hier keine Ausnahmen. George Clooney sowie Ralf Richter wird man niemals in einem solchen Ding sehen und das hat seine Gründe.

Endlich auf dem Friseurstuhl angekommen machte ich einen grossen Fehler: Ich wich von meiner jahrelang erfolgreich praktizierten Style-routine (Kurz! Alles!) ab und hörte mich sagen, dass ich mal "etwas anderes ausprobieren wollte" und das ich meine Haare gerne etwas länger wachsen lassen würde, dies aber nicht aussehen solle, als ob ich keiner geregelten Arbeit nachgehen würde und auch keinen festen Wohnsitz habe, blablabla. Als wenn ich nicht selbst am besten wüsste, dass sich dummes Gefasel umgehend rächt, griff die Frau Frisöse beherzt zu Schere und Kamm und tat, was ihr vorgeschlagen.

Ich vermute mal, dass meine Frisur eine Art Hugh-Grant-Modell mit Locken werden sollte, aber irgendwann schien auch der Friseurin aufzufallen, dass das zum einen scheisse aussieht, zum anderen nicht funktioniert, da sich meine Haare weigern, in einer bestimmten Haltung zu verharren. Was macht man da? Genau. Man holt Haargel aus dem Regal, schmiert es einem in die Haare und versucht zusammen mit einem Fön, die Haarpracht in ihre Schranken zu verweisen. Leider kannte die Gute meine Haare schlecht und wurde sichtlich nervöser, als trotz des Gels alles noch genauso aussah wie vorher. Also holte sie noch mehr Gel, massierte es in die Haare und nach ca. 10 minütiger Fön- und Knetbearbeitung sah mein Haupthaar aus, als würde es einem blonden Roberto Blanco gehören. Dazu stank ich dermassen nach Haarpflegeprodukten, dass sich Katze 1 zu Hause jaulend unters Bett verzog. Kein Witz.

Ich bin ja meistens zu nett. Und so habe ich es auch hier nicht geschafft, massiven Protest einzulegen, zahlte und ging. Daheim wusch ich mir erstmal die Haare und musste feststellen, dass ich ohne das Zwirbelgel aussah, als ob man mir einen alten Aufnehmer auf den Kopf gelegt hätte. Gut, dass ich eine Basecap habe.

So sehr ich auch mit den kleinen, gebeutelten Läden sympathisiere: Manchmal habt ihr es nicht anders verdient, als plattgemacht zu werden. Vielleicht können ja die Nena-Frauen noch was retten.

6 Comments:

At 11:04 nachm., Blogger Mr. Nap said...

Na, wärste mal zu mir gekommen nach Benztown. 3mm Schnitt und das Haarbüschel auf Deinem Kopf hätte sich in das haarige Paradies begeben!

 
At 2:54 nachm., Anonymous Mandolodda said...

Wo bitte ist das Bild zur Story, das willst du uns doch nicht vorenthalten?

Gruß Lothar

 
At 3:52 nachm., Blogger The Captain said...

Ja. So ist das und so wird das auch immer sein. Ich schleiche mich zu einer türkischen Friseurin, die mein Haupthaar immer ganz gut gebändigt bekommt. Danach fängt sie an zu fönen. Und ich seh für ca 5 Minuten aus wie Großmutters Liebling. Die nette Friseuse ist immer ganz glücklich, mich so zu sehen und natürlich bringe ich es auch nicht übers Herz, etwas zu sagen. Wenn ich dann aber um die erste Ecke bin , zerwuschel ich mir die Haare, das es nur so eine Freude ist.

Eine Regel gibt es dann aber doch. Kein Gel. Niemals.

 
At 5:03 nachm., Blogger The Haarbüschel said...

@Nap: Das hatte ich jetzt die letzten Jahre. In meinem Alter ist das aber nicht mehr cool. Schon gar nicht für ernsthafte Biertrinker.

@Lodda: Leider ist die Kamera bei dem Versuch aus meiner Hand gesprungen und hat sich neben Katze I unter das Bett verfügt... Machste NIX!

@Captain: Ich glaube ja eigentlich, das es viele Zeitgenossen gibt, die morgens eine beträchtliche Menge an Zeit darauf verwenden, auzusehen,als kämen sie gerade erst vom Hairstylisten. Aber vielleicht irre ich mich auch. Ich bin müde. Haare sind out.

 
At 10:25 nachm., Blogger Boogie said...

3 mm ist entschieden zu lang, sag ich mal.

 
At 8:58 vorm., Anonymous Webrocker said...

Da möchte ich mich der werten Meinung des Kollegen bOOgie anschliessen. Seit ca 11 Jahren hat mich kein Friseurladen mehr in seinem Inneren gesehen. Die späte Rache für allerlei entwürdigende Rituale, die ich im zarten Alter von 15-17 als - Achtung - Friseurprüfungsmodell durchgestanden habe. Ob dieser Schmach haben sich meine Haarwurzeln ca 10 Jahre später in den Vorruhestand begeben und geniessen nun ihre Zeit bei Kegeln, Wandern und Brifge-Abenden, statt Haare wachsen zu lassen.

 

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