Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien:

Sonntag, Januar 15, 2006

Wie ich mal auf einer Party mit lauter berühmten Menschen war.

Eines der Dinge, die für manche sicherlich sehr interessant ist an Berlin ist die geringe Trennschärfe zwischen berühmten Menschen und dem Pöbel von der Strasse. Dir also, haha. Was vielleicht auch daran liegt, dass die 15 min. Ruhm hier aufgrund der schieren Häufung von hipness produzierendem Gewerbe schneller zu haben sind als in Castrop-Rauxel.

Ich war erst ein paar Monate hier und eine meiner ersten Tätigkeiten war es, mir schnellstmöglich eine Band zu suchen. Natürlich ging es mir auch ums Trommeln, aber wie sonst findet man in einer fremden Stadt so schnell Leute, mit denen man sich abends auf ein Bier treffen kann? Meike, die Gitarristin der Combo, war mit einer Amerikanerin namens Cathy befreundet, einer sehr freundlichen, aber für Amerikanerinnen ebenso zurückhaltenden Person, die auf einer Party in New York sicherlich als sehr "europäisch" wahrgenommen werden würde. Meike rief dann eines Tages an und erzählte mir, das Cathy sie zu ihrer Geburtstagsfeier eingeladen hätte, und ob ich nicht einfach mitkommen wollte. Ich hatte zwar gehört, das Cathys Freund Jochen damals Mitglied der Einstürzenden Neubauten war, dachte mir aber nicht viel dabei und so fuhr ich mit Meike und einer Flasche Wein (macht man selten was falsch mit) in den Prenzlauer Berg.

Wir waren für hiesige Verhältnisse wohl etwas früh, und neben einigen mir unbekannten Menschen konnte ich aufgrund einer früheren Zuneigung zu den Neubauten Alex Hacke identifizieren. Boah, dachte ich da, Alex Hacke. Ich sass dann neben einer sehr netten Frau, mit der ich mich über Musik unterhalten habe und die ich - schon etwas angetrunken - mit meinen schillernden musikalischen Plänen vollsülzte. Sie sagte dann, das sie auch Musik machen würde, worauf ich sie fragte, ob sie eine Band hätte. Naja, war ihre Antwort, sie würde halt immer noch mit den Rainbirds Musik machen und da fiel mir dann auch wieder ein, warum sie mir so bekannt vorkam. Ich habe mich dann sehr geschämt und mich schnell woanderhin gesetzt, denn es gab eine Zeit, in der ich die Rainbirds sehr gemocht habe und mir sogar die "Blueprint"-Single gekauft habe, obwohl ich Singles immer schon doof fand.

Ich fand mich schliesslich einer älteren Frau gegenüber, die ich etwas später ehrfürchtig erblassend als Heidi Paris erkannte (Peter Gente war, glaube ich, auch da). Heidi Paris. Wahnsinn. Natürlich war ich viel zu schüchtern, um sie anzusprechen, mal ganz abgesehen von der Frage, was man dann so sagt. "Hallo Heidi, sag mal, wie war denn der Foucault so privat"? Ein- oder zwei Jahre später hat sie sich umgebracht, was ich übrigens auf einer anderen Party von Cathy erfahren habe.

Irgendwann ging die Tür auf auf und ein besoffener Depp fing an, rumzubrüllen, Dinge runterzuwerfen und in eine Trompete zu blasen. Das war Ben Becker, der seine ebenso talentfreie Schwester mitgebracht hatte. Zu diesem Zeitpunkt war ich aber ebenfalls schon so blau, dass ich kurz darauf freiwillig den Rückzug antrat.

Cathy hat vor ein paar Jahren damit begonnen, alte, französische Schlager in Clubs aufzulegen, ist damit reich und berühnt geworden und bereist seitdem die Goethe-Institute dieser Welt. Auf einer Party mit solch einer hohen Zelebritätsakkumulation war ich nie wieder. Aber immerhin lege ich auch alte Platten auf und meine Freunde sind alle nicht weiter bekannt. Immerhin weiss ich da wenigstens, wie ich sie ansprechen kann.

1 Comments:

At 1:35 nachm., Blogger The Captain said...

Ich hingegen täte einiges dafür, Frau Franck einmal zu begegnen und zu sagen: was Du hast mal einen Hit gehabt, kann ich mich gar nicht dran erinnern, wie hieß der nochmal? Sie ging mir nämlich damals ein wenig auf den Senkel.

 

Kommentar veröffentlichen

<< Home