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Donnerstag, Oktober 20, 2005

Country Feedback

Zu den wenigen Freuden, die mir in meinem Eremitendasein auf einer Nebenkuppe im Himalaya gegönnt sind, gehört das Country-Platten sammeln. Das passiert vorzugsweise über ebay und erstreckt sich ausschliesslich auf Vinyl-LPs. Es ist ja immer noch so, dass Country Music von der Mehrzahl der Bevölkerung als musikalisches Equivalent von Pest, Cholera und Darmverschluss empfunden wird, und wenn ich ganz ehrlich bin, dann hat die Mehrzahl der Bevölkerung in diesem einen, einsamen Punkt auch mal nicht ganz unrecht: Da ist schon viel Scheisse dabei.

Schaut man sich die Auktionen an, dann kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, das die Leute, die sich das hierzulande trotzdem anhören, grösstenteils an Hirnerweichung leiden. Neben tollen, alten Platten von Big Bill Lister oder Charline Arthur werden dann auch gerne und häufig Schlager-LPs angeboten, die von deutschen Musikern mit Hut eingespielt wurden. Das jemand ernsthaft glauben könnte, es handele sich bei diesen Erzeugnissen um etwas, das auch nur die entfernteste Ähnlichkeit mit Country & Western hat, lässt mir das Blut in den Adern gefrieren! Oder so.

Heute kam wieder ein Päckchen mit einer kleinen Sammlung, die ich billig bekommen konnte. Ich hatte die 12 Stück eh nur wegen vier bestimmter LPs gekauft, aber den anderen Schmuh bekommt man dann ja auch immer mit. Und ich bin einfach zu höflich, den Verkäufer zu bitte, den Rest doch bitte gleich in die Tonne zu treten, zumal der Versand nicht billiger werden würde.

Die 4 LPs, auf die ich mich schon gefreut hatte, sind diese:

Merle Haggard - "The fightin' side of me"
Amerikanische, leider sehr dünne reissue- Capitol Pressung. Hatte ich schon auf CD, aber für 2 EUR sage ich da natürlich nicht nein. Live-Aufnahme aus Philadephia von Anfang der 70ger, mit Bonnie Owens und den Strangers. Zusammen mit der anderen Live-Platte von ihm aus dieser Zeit gehört diese LP zu den besten Live-Platten der Country Music. Und Bonnie Owens vergisst den Text zu "Philadephia Lawyer".

Jack Clement - "All I want To Do In Life"
Von 1978. Kannte ich noch nicht, aber Jack Clement ist im ungünstigsten Fall zumindest interessant. Ausserdem spielt Grady Martin Gitarre und Lloyd Green Steel. Scheiss Cover, aber.

Duelling Banjos - "Deliverance OST"
Mir auch noch nicht bekannt, weder Musike noch Film. Von 1973.

Maurice Anderson - The Universal Direction"
Maurice Anderson ist eine wahre Legende der Pedal-Steel Guitar, zu deren Entwicklung der mit der Firma MSA massgeblich beigetragen hat. Er ist ein Pionier des 12-saitigen "Universal"-tunings (Universal, weil die Möglichkeiten beider 10-saitigen Hälse in einem kombiniert werden) und so handelt es sich hier um eine Art Pedal-Steel Gospel-showcase. Ultraseltenes Stück, sogar mit Original-Autogramm. Ha!

Der traurige Rest;

Country Welcome - VA
Sampler mit zu erwartendem Scheiss.

Country Music - va
Italienischer Sampler mit der zu erwartenden Scheisse.

Sammy Barbot - "New Mexico"
12" Maxi aus Frankreich. Das Cover ziert ein Gemälde eines Sombrero-Mexikaners, der an dem "New Mexico"-Wegweiser Siesta macht, inkl. über dem Bauch gefaltenten Hände. Rechts ein grosser Kaktus, in der Mitte 4x ein tanzender Neger (Mr. Barbot?). Pleeeeze!

Rodney Lay - "Silent Partners"
Mann steht an einer Telefonzelle und liesst Zeitung, Frau sitzt dahinter in einem Taxi mit offener Tür und spreizt die Beine. Von 1981. Bild mit Weichzeichner. Der nächste, bitte. Aber halt! Wer hat's produziert? Boomer Castleman! Der Erfinder des Palm-Pedals. Da kann dann Boogie noch was drüber dozieren.

Billie Jo Spears - The Billy Jo Singles Album"
Na, so toll war Ms. Spears auch nicht. Und "That's What Friends Are For" ist nochnicht mal drauf. Pfui! Dafür kann man sehen, warum Ms. Spears damals dringend einen Stylisten hätte gebrauchen können. Aber egal: Was zählt ist auf'm Teller!

The Oak Ridge Boys - Fancy Free
Yak! Ich habe schon eine best-of und da gibt es exakt 1 guten Song drauf. Und die hier ist sogar aus den 80ger! Da rettet auch das schöne Photo eines 1929ger Duesenberg nichts mehr!

Country Fame - va
Erträglicher Sampler. Mit Shel Silverstein. Aus Italien.

50 Years of Country Music - va
Immerhin mit "Whabash Cannonball" von der Carter Family.

5 Comments:

At 12:44 vorm., Blogger Boogie said...

Über Boomer Castleman hab ich mal hier doziert. Klickst du "Guestroom". Letztes Update der Seite war 2001. Egal, netter Mailkontakt, der Boomer. Dabei fällt mir ein, das meine verf**** Ex immernoch meine Palmpedal Tele hat. Ist das Leben ein Country & Western Song?

Erzählste mir mal was über The Handsome Family?

 
At 10:29 nachm., Blogger Boogie said...

Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

 
At 10:29 nachm., Blogger Boogie said...

Apropos Maurice Anderson: kennst du eigentlich http://www.steelguitarpodcast.com? Der Podcast No. 17 beschäftigt sich mit eben diesem. Hat MSA eigentlich auch Fahrstühle hergestellt? Wenn, dann lief da bestimmt "Candy Man" in der Maurice Anderson Version.

 
At 1:23 vorm., Blogger The Haarbüschel said...

Hi Boogie,

ne, den Podcast kannte ich noch nicht... Danke für den Tip!

 
At 6:19 nachm., Blogger rembo said...

Aaalso, Maddin - ausgerechnet Du kanntest "Deliverance" (den Film" bzw. "Duelling Banjos" noch nicht? Mönsch. Unverzichtbar. Schöner kranker Film. Und die Musik... eben, genau. Sich duellierende Banjo-Schnellfinger. Der retarded hick mit der Banjo-Gabe gegen den Mann aus der zivilisierten Reisegruppe (die im Übrigen im Laufe des Films im Hinterwald hübssch aufgemischt wird). Guckst Du Film, weißt Du Bescheid. Rembo

 

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