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Donnerstag, September 08, 2005

Der Tag, An Dem Alles War

Letzten Samstag war offensichtlich der Tag, An Dem Alles War. Zunächst die Entweihungsparty von altfreund Flo in Bonn, bei der ICH DABEI SEIN HÄTTE MÜSSEN, verdammt, aber ich war's nicht und was bleibt ist ein schmutziger, kleiner Fleck in der Biographie (ach, wenn's der einz'ge wär!), dann das Erdmöbel-Konzert, für das auch Anwesenheitspflicht bestand, aber nein, ich hatte die Ehre, mit meiner Coverband auf einem Strassenfest in Wilmersdorf den angetrunkenen Bratwurstesser zu beschallen.

Das erste von 2 Sets sollte dann natürlich auch schon um 13:30 sein, damit man auch nicht in die Verlegenheit gekommen wäre, sich irgendwie ausgeschlafen zu fühlen. Um 11 also in den standesgemäß versifften und frisch gekündigten Proberaum, das Zeug rausgerupft und ab nach fucking Wilmersdorf. Bei Ankunft stand ein älterer Mann auf der Bühne, der von A. zugekniffenen Auges als Kornifere des ostdeutschen Rundfunks identifiziert wurde. Hinter ihm standen "Gewerbetreibende", die vom Moderator nacheinender vorgestammelt wurden und dann wahnsinning interessante Dinge aus ihrem Berufsalltag erzählen mussten.

Als letzte durfte dann eine ca. Mitt50jährige im zu knappen Kleide nach vorne. Die Gute besaß nicht nur eine völlig inakzeptable Quäckstimme, sondern auch eine Dessou-Klitsche, die dem geneigten Publikum nun näher gebracht werden sollte. Dazu hatte sie einige Models mit dabei, die sich alle weit jenseits der 40-Grenze bewegten, aber durchaus noch grazile Elemente besassen. Dazwischen hüpfte eine als "Fritz, unser Nesthäkchen" (gemeint war wohl Hahn im Korb) vorgestellte Halbglatze umher, die den Damen aus den Kleidern helfen musste, damit sich der Bratwurstesser von der Dessous-Mode der 50ger, 60ger und 70ger begeistern lassen konnte.

Gegenüber der Bühne hatte sich schon recht früh ein ausgewachenes bayrisches Blasorchester aufgebaut, das mit schmissigen Märschen aus den letzten 1000 Jahren zu begeistern wusste. Und zwar immer dann, wenn der Moderator wieder irgendjemanden vorstellen wollte. Lustich!

Nach der Dessous-Nummer und einer völlig begeisterungsfreien Darbietung von irischem, michaelflatleyesken Rumgehüpfe wurde das tatsächlich anwesende Publikum erstmal vom Moderator weggeschickt, da jetzt ja Musik käme. Danke, Arschloch! Schweigend wurde das Geraffel auf die Bühne geworfen und zusammengeschraubt. H. hatte passenderweise seinen hässlichen Peavey-amp dabei. Als hätte er es gewusst! Beim Soundcheck kam dann nach dem ersten berherzt gespielten Akkord gleich eine handtaschenschwingende alte Schachtel angelaufen, die es sich verbat, dass wir zeitlich mit den Bayern spielen, schliesslich wollte die doch die Märsche hören. Die wurde dann fein zum Verunstalter umgeleitet, der in seiner salomonischen Weisheit keine Rockmusik bis Ende Bayern verfügte. Schrieb ich schon, das dieser einen Bauhelm mit einem aufgeschraubten Mercedesstern trug? Ah, fuck it.

Als wir dann anfingen, tatsächlich zu spielen, saß 1 Frau mit - genau, Bratwurst - auf den ca. 30 Bänken vor der Bühne. Später kamen dann auch noch die Bayern und hörten uns zu (Danke, Jungs! Ihr wart cool!).

Wir waren richtig schlecht. Und ohne Bindi, der war wieder mit Nena unterwegs. Danach wurden uns noch Essensbons gereicht, die man nirgendwo einlösen konnte. Das nächste Set sollte um 20:00 Uhr sein, Zeit genug. Ich setzte mich vor eine Bar namens Fiftynine oder schrecklicher, in der nur Menschen Dienst hatten, die wie Friseurladenangestellte aussahen. Um 14:oo war "GoGo Dance" angekündigt und ich fügte mich meinem Schicksal.

Als es dann soweit war, stieg ein bejeanst, bebrillt und dauergewelltes "junges Ding" (ich bin jetzt in dem Alter, in dem man sowas sagen darf) auf eine mit grüner Plane belegte Bühne und fing an, sich unter völligem Desinteresse der anwesenden Bratwustesser rhythmisch zu Musik zu bewegen, die anscheinend aus der 59-Bar kam. Die aber leider ausser ihr niemand hören konnte, da vor dem gegenüberliegenden Pizzaladen ein schmalzhaariger Italiener vor einer Heimorgel sass und goldzahnlächelnd Liedchen wie "Azzuro" und "Via Con Me" in die Mengen brüllte. Nachdem ich mir ein Bier lang diese unvorteilhaft gekleidete Frau auf einer Planenbühne angeschaut hatte, die unbeachtet und völlig arythmisch zu schlecht gespielten italienischen Schlager tanzt, bin ich nach Hause gefahren und habe mich hingelegt.

Abends hatten wir dann noch ein Set gespielt, ähnlich schlecht, und sind im Club 49 abgestürzt. A. meinte dann noch, dass ich eigentlich total scheisse spielen würde. Was sollte ich darauf noch erwidern?

Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob ich ein qualitativ hochwertiges Leben lebe. Aber immerhin muss ich mich nicht auf Wilmersdorfer Bühnen nackig machen.

3 Comments:

At 10:39 vorm., Blogger The Captain said...

Ich finde, mit diesem Bericht hast Du Dir die ultimative Berechtigung erschrieben, auch mal bei uns mitzuspielen, live. Wir hatten aber noch nie nackte Damen in Plastikplanen. Große Geschichte!!!

 
At 3:43 nachm., Blogger The Haarbüschel said...

Thank you, Captain. Ich harre... Vielleicht kann man ja mal was mit Kieran zusammen machen...

 
At 11:16 vorm., Anonymous Mandolodda said...

Hallo Martin

Bin ich froh ein Amateur zu sein.
Wir haben irgend wann beschlossen uns unsere Gigs auszusuchen und nicht die Gigs uns. Aber ich gebe zu, man weiß nie vorher auf was man sich da einläßt.

Ne schöne Jrooß
Lothar

 

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